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Vom Stamm zum Rohling

Der Baum wird in Abschnitte von Bogenlänge zuzüglich einer kleinen Zugabe gekürzt. In der Regel werden das etwa zwei Meter lange Stücke. Dabei kann man schon auf die spätere Lage von ÄAuml;sten im späteren Bogen achten. Anschließend sollte die Rinde entfernt werden, um Schädlingsbefall zu vermeiden. Zudem kann man bei vielen Baumarten dabei schon Drehwuchs erkennen. Im Frühjahr und Sommer lässt sich Rinde, zum Beispiel bei Esche Wachholder und Flieder, in der Regel leicht abziehen, da nach dem Winter wieder Flüssigkeit im Baum zirkuliert. Die Rinde anderer Hölzer wie Hasel enfertnt man am einfachsten mit einer stumpfen Kante. Das kann ein Stahlprofil, die stumpfe Seite eines Spachtels oder Keils oder auch die Rückseite eines Ziemessers sein. Bei wenigen Holzarten kann es aber ratsam sein, die zunächst am Stamm zu lassen, weil sie sich nach wenigen Wochen Trocknung leichter entfernen lässt.

Stämme, deren dünneres Ende einen Durchmesser von etwa 8cm hat, werden gespalten. Bei dünneren Stämmen bleibt nach dem Spalten Spalten in der Regel nicht ausreichend Holz für einen Griff stehen. Prinzipiell kann man sich aber dafür entscheiden, doch zu spalten und später ein Griffstück aufzuleimen. Wichtig ist, dass die Keile, die mal verwendet scharf sind. Die Arbeit kann sonst sehr mühsam werden.



Prinzipiell kann man einen Stamm auch aufsägen. Man erkennt aber dabei Drehwuchs schlechter und wenn man, insbesondere bei größeren Durchmessern, keine entsprechende Säge hat, ist Spalten auch schneller. Ab und zu wird geraten, den Stamm zunächst ein paar Tage liegen zu lassen, damit sich Risse bilden, an denen man die Keile ansetzen kann. Ich persönlich bin der Meinung, dass man lieber gleich spalten sollte. Der Stamm muss schon ziemlich optimal gewachsen sein, damit Risse, die von allein entstehen, gut liegen.

Ich zeichne mir den gewünschten Spaltverlauf vorher immer mit Kreide oder Bleistift an, damit ich den später kontrollieren kann. Man beginnt mit dem Spalten am dünnen Ende, damit man auch den gewünschten Faserverlauf trifft. Wenn man beim dicken Ende beginnt, kann der Spalt schnell seitlich herauslaufen und so den Stamm unbrauchbar machen. Beginnt man an der dünnen Seite, ist es halb so wild, wenn der Spalt auf der dicken Seite ein wenig zur Seite weg läuft. Der Spaltansatz wird auf der Stirnseite des Stammes, also der Schnittfläche, mittig durch den Markkanal geschlagen. Liegt der Markkanal extrem asymetrisch auf einer Seite, muss man eventuell daruaf verzichten, zu spalten und die gute Seite statt dessen herausschnitzen. Danach werden die Keile von beiden Seiten her einschlagen, damit der Spalt gerade durch den Stamm verläuft. Wandert der Spalt seitleich heraus oder verläuft verdreht, muss man mit einem Beil knapp neben der Führungslinie einen neuen Ansatz für die Keile schaffen. Das kann auch mit einer Säge gemacht werden. Eine Japansäge funktioniert hier gut. Soll der Spalt durch einen Ast verlaufen, muss auch hier der Verlauf vorgegeben werden bevor man dort mit den Keilen angelangt ist.

Bis zu 45° Drehwuchs über die gesamte Bogenlänge kann man ignorieren. Daraus lässt sich noch ohne große Probleme ein Bogen bauen. Da man in der Regel an den Enden noch Zugabe eingeplant hat, darf es über die Länge des Stammes sogar ein wenig mehr sein. Bei stärkerem Drehwuchs kann man den Spaltverlauf zwar immer wieder korrigieren, es wird aber schwierig, aus solch einem Stamm einen Bogen zu bauen.

Einige Hölzer, wie Eibe, bekommen auch gerne Trocknungsrisse, obwohl sie im Markkanal gespalten wurden. Bei diesen sollte man den Markkanal komplett mit Axt oder Ziehmesser herunterschnitzen.

Normalerweise werden Stämme oder ÄAuml;ste mit geringerem Durchmesser aber, außer im Griffbereich, bis zum Markkanal oder sogar darüber hinaus, heruntergeschnitzt. Bei empfindlichem Holz wird im Griff eine Sollrissstelle vorgesägt. Normalerweise reißt diese beim Trocknen mit zum Markkanal ein. Sie kann später mit einer Mischung aus Holzspänen und Epoxidharz wieder verfüllt werden. Wenn man optimistisch ist kann man am Griff auch etwas mehr Material stehen lassen und die Schnittflächen versiegeln. Die Chancen, dass dann keine oder nur geringe Risse auftreten stehen 50:50.

Hat man den Rohling so weit vorbereitet, kann man ihn schon ganz grob in Form bringen, damit er schneller trocknet. die Seiten werden dabei im 90°-Winkel zum zukünftigen Rücken begradigt. Der Bauch sollte parallel zum Rücken herausgearbeitet werden. Beide Enden werden danach mit Holz-Leim oder -Lack versiegelt. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Acryllack aus der Sprühdose nicht besonders gut funktioniert. Dabei geht es nur darum die Austrocknung an den Enden zu verlangsamen und nicht darum, die Fasern miteinander zu verkleben. Das verhindert Trocknungsrisse.

Biegt man das Holz, solange es noch nass ist, bleibt es teilweise in dieser Form und verliert seine Spannung. Zunächst sollte man also das Resultat schattig und luftig lagern. Am besten legt man das Holz so auf zwei Stützen, dass er sich beim Trocknen reflex biegt. Man kann es auch einspannen, um ein extremeres Ergebnis zu erzielen oder um ein Verziehen zu verhindern.

Trockenrisse müssen so früh wie möglich erkannt und behandelt werden. Es hilft dann, dafür zu sorgen, dass das Holz innen und außen gleichmäßig trocknet. Das verringert Spannugnen im Holz. Dafür muss man das Holz an den Rissen weiter herungerarbeiten und großzügig, bis mindestens zehn Zentimeter über die Stelle hinaus, versiegeln. Problematisch ist dabei, dass der Rohling in sich weniger stabil ist und sich verdrehen kann. Ist das Holz nicht schattig gelagert sollte es spätestens jetzt an einen kühlen Ort umziehen.

Man sollte regelmäßig das Gewicht kontrollieren. Bleibt es über eine Woche hinaus unverändert, kann man davon ausgehen, dass das Holz durchgetrocknet ist.

Video zur Vorbereitung eines Rohlings aus Hasel:



Video zur Vorbereitung eines Rohlings aus Wildkirsche:



Video zur Vorbereitung eines Rohlings aus Esche: