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Fertigung einer Sehne mit flämischem Spleiß

Grundsätzlich kann man Sehnen für jedes erdenkliche Zuggewicht kaufen. Die sind aber recht teuer und mit wenig Aufwand kann man seine Sehnen auch günstig in kurzer Zeit selbst anfertigen. Man muss sich nur einmal trauen.
Prinzipiell kann man Sehnen sehr traditionell aus Hanf oder Leinengarn fertigen. Am praktischsten ist es aber, Dacron B50 zu verwenden. Das ist im Bogensporthandel leicht zu bekommen und schon vorgewachst. Es hält sich das Gerücht, dass man keine Fastflightsehenen verwenden soll, da diese sich angeblich nicht ausreichend dehnen und so der Bogen beim Zurückschnellen brechen kann weil die komplette Energie im Bogen umgesetzt wird. Es gibt aber durchaus Schützen, die ihre traditionellen Bögen mit Fastflightsehnen schießen.
Hintergrund ist, dass Fastflight-Garn stärker als Dacron ist und deswegen bei gleicher Kraftdünner werden können. Deswegen ist die wahrscheinblichere Ursache für einen Bruch, dass die Sehne in die Nocks einschneidet und so eine Schwachstelle erzeugt. Abhilfe schafft man zum Beispiel durch Overlays aus Hartholz oder Horn. Alternativ kann man die Sehnenöhrchen aufpolstert, indem man sie doppelt wickelt, also zusätzliche Stränge nur am Sehnenöhrchen und Knotenbereich einarbeitet. Prinzipiell stellt sich die Frage, ob man Fastflightsehnen verwendet aber ohnehin nur, wenn man das Letzte aus dem Bogen herausholen will. Das wirft dann wiederum die Frage auf, warum man traditionell und nicht Compound schießt.
Wenn ich schnell und ohne viel zu messen die Länge meiner Sehne bestimmen will, nehme ich das Maß von Nocke zu Nocke zuzüglich eines Spanns für den Bognerknoten und zwei Spann für die Sehnenöhrchen. Ein Spann ist dabei die Länge zwischen den Fingerspitzen von gespreiztem Daumen und Zeigefinger. Bei mir sind das jeweils etwa 18cm. Man benötigt nun je nach Zuggewicht eine andere Anzahl an Strängen. Weniger als zehn Stränge, beispielsweise für schwache Bögen, werden sehr dünn und schneiden beim Schießen unangenehm ein. Die folgenden Werte sind die sichere Anzahl Stränge mit Dacron B50. Bei hohem Zuggewicht und entsprechend schweren Pfeilen stört eine dicke Sehne nicht. Nur wer, wie beim Flightschießen, sehr leichte Pfeile verwenden, um das letzte Quentchen Geschwindigkeit herauszuholen, profitiert von dünneren und damit leichteren Sehnen.

Zuggewicht Stränge
unter 30# 10
30 - 45# 12
45 - 60# 14
60 - 80# 16
80 - 100# 18
über 100# 20

Das Garn kann man mit Schere oder scharfem Messer einfach abschneiden.

Abschneiden eines Stranges
Abschneiden eines Stranges Sehnengarn.

Die Stränge müssen in zwei gleich große Bündel aufgeteilt werden. Dabei ist es hilfreich, aber nicht zwingend notwendig, verschiedene Farben zu verwenden. Für das zukünftige Sehnenöhrchen werden zwei Spann abgemessen und die Stränge dort mit einer Klammer zusammengehalten.

Erster Spann
Zweiter Spann
Erster Spann
Zweiter Spann mit Klemme

Der Bereich für die Öhrchen sollte zusätzlich separat gewachst werden.

Wachsen des Öhrchenbereichs
Wachsen des Bereiches, der später Sehnenöhrchen werden soll.

Die Bündel werden nun separat voneinander im Uhrzeigersinn verdreht. Man muss dabei nicht übertreiben. Wenn es nach Seil aussieht, ist es auch gut. Gleichzeitig beginnt man die beiden Enden gegen den Uhrzeigersinn zu überschlagen. Mit einer geraden Anzahl an Überschlägen, ich mache meist zwölf, hat man dann jedes Ende auf der Seite, auf der es zuvor auch war. Danach sollte man an beiden Enden noch ein gutes Stück nicht verdrillte lose Stränge übrig haben.
Nun wird es etwas fummelig. Man muss die nicht verdrillten Enden jeweils auf ihr Gegenstück hinter der Klamme legen und die Klammer entfernen, ohne dass sich alles wieder entdreht. So sollte jetzt schonmal das Sehnenöhrchen gebildet werden. Die zusammengelegten Bündel links und rechts werden nun wieder separat voneinander im Uhrzeigersinn gedreht und gegen den Uhrzeigersinn überschlagen bis man ein etwa zwei Zoll (5cm) langes Stück verdrillt hat. Dann nimmt man aus jedem Bündel je einen Strang heraus. Nach jeweils zwei Überschlägen wiederholt man das, bis alle Enden verflochten sind.
Man kann die Verdrillung jetzt bis etwa zwei Spann (ca. 18cm) vor dem Ende gröber machen. Erst dann wird man wieder ähnlich fein, wie im Sehnenöhrchen. Hat man das Ende erreicht macht man einen einfachen Knoten in die verflochtenen Stränge.




Das Sehnenöhrchen wird später am oberen Ende eingehängt. Am unteren Ende macht man einen Bognerknoten.



Eine Endlossehne ist etwas einfacher herzustellen und nicht schlechter.







Die Bogensehene wird in ihrer Mitte stärker beansprucht als an anderen Stellen, weil hier der Pfeil eingenockt wird und sie hier an den Armschutz schlägt, wenn man den Bogen falsch hält. Die Mittenwicklung muss ausreichend lang sein, um die Sehne zu schützen, aber so kurz wie möglich, damit die Sehne schnell bleibt.